700 Prozent Profit beim Delfin-Deal

Es sind nicht nur Dunkelmänner, die vom Geschäft mit dem japanischen Walfang profitieren. Besonders ungeniert und ganz öffentlich bereichert sich seit mehreren Jahren der Rat der westjapanischen Kleinstadt Taiji und nennt den Vorgang einen „akademischen Austausch”.

Wie Stadtväter in den Besitz von Waltieren kommen? Sie partizipieren an der als extrem brutal bekannten Treibjagd, bei der Delfine und Kleinwale in flache Buchten bei Taiji getrieben und dort in einer blutigen Orgie mehrheitlich geschlachtet werden. Einige Exemplare aber sortieren die Stadtväter aus, lassen sie lebend einfangen, kaufen sie den Fischern ab und lagern sie in den Becken des örtlichen Walmuseums bis zum Weiterverkauf. Acht Delfine sind derzeit in Warteposition, acht sind im vorigen Jahr verscherbelt worden.

Und so funktioniert der „akademische Austausch”: Die Stadt Taiji bietet die acht Meeressäuger für 375 000 US-Dollar auf dem internationalen Markt an. Das bedeutet in wenigen Monaten einen Profit von 700 Prozent – bezogen auf die Summe, die den Fischern gezahlt wurde. Auch schon im vorigen Jahr, als acht Delfine nach Dalian in der Volksrepublik China verscherbelt wurden, versiebenfachte die Stadt ihren Einkaufspreis.

Das Walmuseum von Taiji, über das formal der Handel abgewickelt wird, hat einen schlechten Ruf. Allein im Jahr 2005 starben dort acht Delfine, zwei weitere sind spurlos verschwunden, wie immer das in Wasserbassins geschehen sein mag. Zudem ist ihm der Deal rechtlich untersagt. Das Museum ist nämlich der WAZA beigetreten, dem Weltverband der Zoos und Aquarien, und deren Mitgliedern ist der Handel mit Delfinen verboten, wenn diese in Treibjagden gefangen wurden. Es ist aber zu fürchten, dass derlei Recht in Japan wenig Wert hat, wo doch die Rechtsordnung es hinnimmt, dass es Wissenschaft sei, wenn tausendfach Wale geschlachtet und verkauft werden und das Ganze unter dem Titel „Wissenschaft” läuft.

Der Bürgermeister von Taiji will sich von den massiven Protesten nationaler und internationaler Tierschützer das schöne Geschäft nicht vermiesen lassen: „Wenn die Stadt Taiji den internationalen wissenschaftlichen Austausch durch den Verkauf von Waltieren fördern kann, dann werden wir das auch in Zukunft tun.”

Walter Karpf