UN-Moratorium für die Grundschleppnetzfischerei auf der hohen See durchsetzen

PRESSEMITTEILUNG
Nr. 0450 05.04.2006
UN-Moratorium für die Grundschleppnetzfischerei auf der hohen See durchsetzen
Zum Antrag der Bundestagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen für ein UN-Moratorium für die Grundschleppnetzfischerei auf der hohen See erklärt Cornelia Behm, Berichterstatterin für Fischereipolitik: Wir fordern ein weltweites UN-Moratorium der zerstörerischen Grundschleppnetzfischerei auf der hohen See. Dieses Moratorium könnte von der nächsten UN-Generalversammlung im Herbst beschlossen werden. Um dieses Ziel zu erreichen, muss sich auch die Bundesregierung in den nächsten Monaten innerhalb der EU und in den UN-Gremien für ein solches Moratorium einsetzen. Eine klare Haltung der Bundesregierung ist bisher aber nicht erkennbar. Wir fordern daher mit einem Bundestagsantrag von der Bundesregierung ein Engagement für das Moratorium ein. Darüber fordern wir, dass sich die Bundesregierung für die Entwicklung eines effektiven Fischereimanagements und die Einrichtung von Schutzgebieten auf der hohen See einsetzt.
Diplomatische Rücksichtnahme auf ein stark in der Tiefsee-Grundschleppnetzfischerei engagiertes EU-Land wie Spanien darf bei diesem für den Erhalt der Artenvielfalt so wichtigen Anliegen keine Rolle spielen. Denn die Grundschleppnetzfischerei zerstört einen der letzten ökologischen Schätze unserer Erde: Forscher schätzen, dass mehr als 10 Millionen Arten in der Tiefsee leben. Von ihnen kommen sehr viele nur lokal vor. Die meisten dieser Lebewesen sind bisher noch völlig unbekannt.
Grundschleppnetze erreichen den Meeresboden bis in zwei Kilometer Tiefe. Mit ihren schweren Eisenplatten und Vorlaufketten zerstören sie alles, was ihnen in den Weg kommt. So vernichten sie einzigartige Ökosysteme bereits durch einen einzigen Fischzug. Viele der Tiefsee-Arten sind aufgrund ihrer Langlebigkeit und ihrer sehr späten Geschlechtsreife besonders anfällig gegenüber menschlichen Eingriffen wie der Fischerei. Ihre Populationen können daher in kürzester Zeit vollständig überfischt und zerstört werden.
Ein Moratorium für diese Form der Fischerei könnte kurzfristig einen Schutz der außerordentlich reichen, sensiblen und überwiegend noch unentdeckten Artenvielfalt der Tiefsee erreichen. Gleichzeitig würde ein Moratorium die notwendige Zeit für die Erforschung und Entwicklung rechtsverbindlicher Schutz-und Managementmaßnahmen schaffen.
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