Feilschen um die Todgeweihte
Kanadische Inuits kämpfen um mehr Eisbär-Abschüsse
Als ob sie die bedrohlichen Zeichen an der Wand nicht gesehen hätten: Im kanadischen Nunavut-Territorium feilschen Behörden und Jäger um Abschuss-Quoten für Eisbären. Während weltweit die Polarbären als Symbol für den dramatischen Klimawandel, der ihnen so rapide den Lebensraum nimmt, begriffen werden, nehmen ein paar Jägerfunktionäre die Tiere nur unter dem Gesichtspunkt ihrer Totschießbarkeit wahr. Die Bären würden Robben töten, argumentieren sie, Vorratskammern der Menschen plündern und auch den Menschen selbst gefährlich werden. Als ob Eisbären dies alles nicht schon seit 10 000 Jahren täten.
Ende September hatten die Behörden von Nunavut, das ist der gigantische Ureinwohner-Bundesstaat Kanadas, in Iqaluit eine Konferenz einberufen und verkündet, dass im Bereich der Baffin-Bay statt jährlich 105 nur noch 64 Bären geschossen werden dürften. Bei der alten Quote sei die Nachhaltigkeit nicht mehr gesichert und außerdem machten die USA und die EU politisch Druck und drohten mit Handelsstrafen.
Die Jäger drohen nun, die Quotenregelung komplett zu missachten, wenn sie im nächsten Jahr nur noch 64 Bären töten dürfen. „Es sind unsere Bären und wir schießen so viele wie wir wollen“, sagt Lootie Thomasie von der Jäger- und Trapper-Organisation in Qikiqtarjuaq.
Der Grund für das Senken der Quote ist der Alarm von Wissenschaftlern, nach denen die Eisbär-Population in der Baffin Bay in den vergangenen zehn Jahren von 2100 auf 1500 zurückgegangen sei. Dieser Sorge hat sich die EU angeschlossen und verbietet den Import von Eisbär-Fellen. Die USA boybottieren grundsätzlich alle Eisbär-Produkte.
Die Jäger dagegen reklamieren die beste Kenntnis der Bären-Situation für sich. Sie sähen mehr Polarbären als früher und sie seien ungewöhnlich fett und gut ernährt.
Wirklich? Sollten die Zahlen alle falsch sein, nach denen das arktische Eis klimabedingt dramatisch schmilzt? Und ist nicht das Eis der Jagd-Grund der Polarbären, von dem aus sie Robben fangen?
Wir verursachen so gut wie Null CO2-Emissionen, sagen die Inuit, warum sollen wir dafür bestraft werden und weniger Bären jagen?
Leider werden sie doppelt bestraft, die armen Inuit. Erstens schmilzt ihnen unverschuldet das Eis unter den Füßen weg. Und wenn ihre angestammte Umwelt kaputt ist, dann sind auch die Bären weg, und auch kein Tourist kommt mehr, um die wunderschönen Tiere zu sehen.
Im kommenden März wollen die USA beantragen, dass Eisbär-Produkte weltweit und grundsätzlich nicht mehr gehandelt werden dürfen. Ein Aufschub für die Tiere?
Walter Karpf


