Offener Brief: Übung Northern Coasts II in der Ostsee
Sehr geehrter Herr Fregattenkapitän Bremmer,
heute hat mich ein Oberbootsmann vermutlich aus Ihrem Stabe angerufen
und mich gebeten, mein Anliegen per e-mail vorzutragen; dem will ich
gerne entsprechen.
Wie Sie vielleicht wissen, sind Meeressäuger durch menschliche Aktivitäten
weltweit bedroht, dazu gehört auch der Schweinswal der Ostsee, der in seinem Bestand gefährdet ist. Aus diesem Grund ist die Bundesrepublik Deutschland 1991 dem sog. Kleinwalabkommen (ASCOBANS)beigetreten, das die Bedrohung und Gefährdung, ja sogar die Störung im Lebensraum von Schweinswalen und Delphinen ausdrücklich verhindern soll. Dem gleichen Ziel dient auch die Ausweitung von FFH-Gebieten auf Meeresregionen z. B. in der Eckernförder und Kieler Bucht.
Nach Ihrer Ankündigung in der Presse sind bis zu 40 Schiffe und Boote, sieben Helikopter und fünf Überwachungsflugzeuge im Einsatz. U. a. soll die U-Bootjagd geübt werden und laute Schießübungen sind vorgesehen. Sie selbst haben am Telefon erklärt, dass Sonar zum Aufspüren von U-Booten und Minen eingesetzt werden soll. Wegen der Schießübungen sind Sie mit einigen Reedereien der auf der Ostsee verkehrenden Handelsschiffe bereits in Kontakt getreten, da darf die Frage erlaubt sein, welche Maßnahmen zum Schutz der hier lebenden Meeressäugetiere insbesondere der Schweinswale getroffen werden.
Vorsorglich möchte ich darauf hinweisen, daß es eine neuere Veröffentlichung gibt, die eine Hörschädigung des Schweinswals nach Knallexposition erstmals beweisen konnte. Wie beim Rekruten während der Schießübung ohne Gehörschutz, was seit Jahrzehnten in der Bundeswehr dank entsprechender Verordnung nicht mehr vorkommt, führt das Knalltrauma beim Schweinswal je nach den Umständen zu einer vorübergehenden oder bleibenden Vertaubung.
Bei einem Lebewesen, das im trüben Ostseewasser seine Umwelt vorwiegend
akustisch erfaßt, hat das fatale Auswirkungen. Die Ausendung von
hochenergetischen Ultraschallimpulsen, wie sie z.B. bei der U-Bootjagd
verwendet werden, steht im dringenden Verdacht für die Massenstrandungen
bestimmter Delphin- und Walarten verantwortlich zu sein.
Ihrer Antwort sehe ich mit Interesse entgegen!
Für Rückfragen stehe ich natürlich auch telefonisch unter 04642 1599
jederzeit zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Andreas Pfander


