2. Anfrage die multinationale Übung Northern Coasts betreffend

Sehr geehrter Herr Flottenadmiral v. Maltzan,

in der vorigen Woche habe ich an Herrn Fregattenkapitän Bremmer einen Brief geschrieben, in dem ich angefragt habe, welche Maßnahmen zum Schutz der hier lebenden Meeressäugetiere während der multinationalen Übung Northern Coasts gettroffen werden. In der Zwischenzeit ist die Übung, die bis Ende Oktober geplant ist, angelaufen, eine Antwort haben ich  bisher leider nicht erhalten, obwohl der Brief bereits auf der Seite der Gesellschaft zum Schutz der Meeresäugetiere veröffentlicht worden ist. Auch sind zwischenzeitlich mehrere Anfragen auch von offizieller Seite bei mir eingegangen. Aus diesem Grund wenden ich mich jetzt direkt an Sie als dem verantwortlichen Chef des Stabes.

Wie Sie wissen, gilt der Schweinswal der Ostsee als in seinem Bestand bedroht. Aus diesem Grund ist die Bundesrepublik Deutschland 1991 dem Kleinwalabkommen beigetreten, das sie zum Schutz von Schweinswalen und Delphinen  in Nord- und Ostsee verpflichtet. Dem gleichen Ziel gilt auch die Ausweisung von FFH-Gebieten als Habitat Mare Natura 2000 z. B.in der Kieler Bucht, in denen laut Ihrer eigenen Mitteilung die Abwehr von terroristischen Angriffen in einer fiktiven”Parallelwelt” geübt werden soll. Dabei werden aber laut Ihrer Pressemitteilung vom 13.10. 2009 reale Schießübungen durchgeführt und Sonar zu U-Boot Abwehr eingesetzt.
Nun ist es aber eine Tatsache, daß ausgerechnet in dem umstrittenen Seegebiet zwischen “Amberland” und “Beachland”, wie aktuelle  Zählungen ergeben haben, ganzjährig Schweinswale vorkommen und diese Region wahrscheinlich ein wichtiges Überwinterungsgebiet für die Schweinswale der zentralen Ostsee darstellt,von denen es nur noch wenige hundert Individuen gibt. Die Gefährdung von Meeresäugern durch militärische Aktivitäten, insbesondere die vorübergehende oder dauernde Ertaubung von Delphinen und Schweinswalen,die über ein besonders empfindliches Gehörorgan verfügen, durch Knall- und Lärmexposition darf als wissenschaftlich bewiesen angesehen werden. Wenig bekannt ist allerdings, daß auch viele Fischarten empfindlich auf Lärm reagieren.

Wahrscheinlich aber haben Sie während der Vorbereitungssphase der Übung Northern Coasts, bei der auch Nichtanrainerstaaten beteiligt sind, derartige Bedenken  in die Planung miteinbezogen und haben Vorkehrungen getroffen, um eine Beeinträchtigungen der hier lebenden Meeresäuger, der Fischbestände und der marinen  Umwelt  zu vermeiden, oder wenigstens zu minimieren.
Es schadet sicherlich dem Image der Bundesmarine nicht, wenn die Öffentlichkeit über Ihre Maßnahmen zur Gefahrenabwehr unterrichtet wird.

Aktuell gibt es mehrere Sichtungen von Delphinen zuletzt am 16.10. 2009 vor der Südküste von Alsen.

Mit freundlichen Grüßen
Andreas Pfander

PS: Zu Ihrer Information möchten wir Ihnen mitteilen, daß am 16.10.2009
erneut zwei Delphine bei Skovsby an der Südküste der an die Kieler Bucht angrenzenden Insel Alsen gesichtet wurden.

Bitte beachten Sie zu dieser Korrespondenz auch den folgenden Artikel:

Offener Brief: Übung Northern Coasts II in der Ostsee