Antwort auf offenen Brief (von Flottillenadmiral Georg von Maltzan)

Sehr geehrter Herr Pfander,

die Deutsche Marine ist sich ihrer Verantwortung für die Umwelt und für bedrohte Tierarten bewusst. Deshalb nehme ich Ihren Brief gern zum Anlass, die Öffentlichkeit darüber zu informieren, wie wir im konkreten Fall mit dieser Verantwortung umgehen.

Auch für die Übung „Northern Coasts 2009“ gilt die allgemeine Anweisung an die Flotte, dass der Einfluss von Unterwasserschall auf Meeressäuger und maritime Lebensräume zu minimieren ist.

Die Marineschiffe sind angewiesen, sich aktiv an der Beobachtung von Meeressäugetieren zu beteiligen und entsprechende Sichtungen an den Geoinformationsdienst im Flottenkommando zu melden. Bis jetzt liegen allerdings seit Übungsbeginn keine Sichtungen vor.

Neben den Geräuschen durch den normalen Schiffsbetrieb (Schiffschrauben), die auch von Handelsschiffen erzeugt werden, kommt es bei der Übung „Northern Coasts 2009“auch zum Einsatz von Sonar und zu Unterwasserexplosionen.

Sonar kann von Überwasserschiffen und von U-Booten eingesetzt werden. U-Boote senden nur sehr selten Sonar-Impulse aus, weil sie unentdeckt bleiben wollen und durch ihr Sonar-Signal geortet werden können. Während der laufenden Marineübung hat bisher kein U-Boot einen Sonarimpuls abgegeben.

Überwasserschiffe setzen Sonar zur Minensuche und zum Aufspüren von U-Booten ein. Die Impulse zur Minensuche sollen ein möglichst deutliches Bild auf eine Entfernung von wenigen hundert Metern erzeugen. Sie haben deshalb eine geringe Stärke und bewegen sich auf einer hohen Frequenz oberhalb der akustischen Wahrnehmbarkeit.

Im niedrigen, auch von Meeressäugetieren wahrnehmbaren Bereich arbeitet das Sonar zur U-Boot Entdeckung. Die sinnvolle Stärke dieser Impulse richtet sich nach der Größe und Tiefe des Seegebietes. Die westliche Ostsee, in der die Übung „Northern Coasts 2009“ stattfindet, ist bekanntlich ein eher enges und nicht sehr tiefes Seegebiet, das bewusst gewählt wurde, um einen Einsatz in flachen und küstennahen Gewässern zu üben. In diesem Seegebiet kommt Sonar zur U-Boot Abwehr nur in geringer Impulsstärke zum Einsatz. Und auch dabei gelten die allgemeinen Anweisungen an die Flotte:

  • Vor dem Einsatz sind Informationen über das mögliche Vorkommen von Meeressäugetieren im Einsatzgebiet beim Geoinformationsdienst im Flottenkommando einzuholen;
  • Eine halbe Stunde vor und nach dem Sonareinsatz ist die Umgebung nach Meeressäugetieren abzusuchen, auch durch akustische Unterwasserüberwachung, nachts zusätzlich mit Infrarotgeräten/Nachtsichtgeräten;
  • Die Stärke des Schallpegels ist von einem sehr niedrigen Niveau an zu steigern, um möglicherweise dennoch anwesenden Tieren zu ermöglichen, sich zu entfernen;
  • Danach ist der niedrigstmögliche Schallpegel zu verwenden;
  • Werden Meeressäugetiere innerhalb von einer Entfernung von 1 Seemeile (1.852 m) wahrgenommen, ist der Sonarbetrieb einzustellen.

Ähnliche Maßnahmen werden im Zuge der beiden Unterwasserexplosionen getroffen, die während der Übung „Northern Coasts 2009“ im Seegebiet vor Damp stattfinden:

  • Eine halbe Stunde vor der Sprengung werden zunehmend lauter werdende Unterwassergeräusche erzeugt, um Meeressäugetiere und auch Fische dazu zu bringen, das Gebiet zu verlassen bzw. zu meiden;
  • Sprengungen finden nicht statt, wenn sich Meeressäugetiere in einem Umkreis von 2 Seemeilen (ca. 3700 m) befinden.

Das Auffinden und Sprengen von Minen ist auch heute noch eine dringend notwendige Fähigkeit der Deutschen Marine. Minen aus dem 2. Weltkrieg stellen nach wie vor eine Gefahr für die Fischerei und die Schiffahrt dar. Die Deutsche Marine beteiligt sich gemeinsam mit  den Marinen anderer Ostseestaaten an ihrer Beseitigung.

Die Fähigkeit, U-Boote aufzuspüren bzw. als U-Boot unentdeckt zu bleiben, hat mit den modernen Aufgaben der Deutschen Marine in internationalen Einsätzen zu tun und dient unter anderem der Bekämpfung von Piraten und Terroristen und dem Schutz von Handelsschiffen.

Ich hoffe, dass ich durch meine Ausführungen Ihre Fragen beantworten konnte und verbleibe

Mit freundlichen Grüßen

Georg von Maltzan
Flottillenadmiral und Chef des Stabes