Müssen die USA die Eisbären gegen Naturschutzverbände verteidigen?

Zu oft bietet die US-Regierung nicht Gelegenheit, die Außenwirkung ihrer Politik zu loben.
Nun aber ist es so weit: Bei der nächsten CITES-Tagung in Doha im März wollen die USA einen Antrag einbringen, nach dem jeder Handel mit Eisbär-Produkten verboten sein soll. Dieser Antrag ist die Konsequenz der Washingtoner Entscheidung von 2008, die Bären unter Schutz zu stellen, weil das Überleben der Art aufgrund des Klimawandels bedroht ist.

Überraschender Widerspruch kommt nun von TRAFFIC, einer Organisation, die den internationalen Handel mit Wildtieren und ihren Produkten überwacht, und die gesteuert wird von WWF und IUCN. „Der Klimawandel ist die größte Gefahr für die Polarbären,“ sagt Craig Stewart, beim WWF-Kanada für den Schutz der Arktis zuständig, „der Handel mit Bärenprodukten ist nicht wirklich eine Bedrohung.“
Verzeihung, hören wir richtig? Weil es eine größere Gefahr gibt, können wir die kleinere negieren? Ja, wollen wir denn den Japanern den Wal- und Delfinfang erlauben, nur weil Klimawandel, Wasserverschmutzung und Beifang ohnehin die größere Bedrohung für die Meeressäuger darstellen?
„Das Argument von TRAFFIC ist so, als würde man einem Krebskranken die Behandlung seiner Lungenentzündung versagen mit dem Argument, dass der Krebs die gefährlichere Krankheit ist“,  sagt Petra Deimer, die Vorsitzende der Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere.

Vor allem die kanadischen Inuit drängen darauf, Eisbärfelle, -zähne und –krallen in die USA und nach Europa verkaufen zu können. Was aber, wenn sie dieses Geschäft etablieren? Mit traditioneller Jagd – auch dies ein Argument der Inuit – hat die Polarbärenjagd schon lange nichts mehr zu tun. Schnelle Motorboote- und schlitten sowie weittragende Zielfernrohre geben den Tieren kaum mehr eine Chance zu entkommen. Appetit kommt beim Essen. Wenn sich einmal Kunden finden, dann droht den Bären das gleiche Schicksal wie den Elefanten vor rund 20 Jahren – bis nahe ans Aussterben zusammengeschossen.

Nein, die 175 CITES-Vertragsstaaten sollten in Doha lieber auf die USA hören als auf WWF und IUCN. Auch wenn es noch so komisch klingt.

Walter Karpf