Warum macht sich Kanada lächerlich?

In diesen Wochen sind die beiden üblichen Verdächtigen wieder dabei, sich in der Nationengemeinschaft als Ober-Parias zu produzieren – die Japaner in der Antarktis als Walfänger und die Kanadier auf dem Eis ihrer Ostküste als Robbenbaby-Schlächter.
Doch während man den Japanern wegen der Raffinesse und Skrupellosigkeit, mit der sie aller Welt die Legalität und Notwendigkeit des Walfangs verkaufen wollen, wenigstens professionelle PR bescheinigen muss, grenzen kanadische Maßnahmen an Dämlichkeit. Offensichtlich sind kanadische Robbenschläger und Politiker die einzigen Menschen weltweit, die noch nicht begriffen haben, dass die Zeit des kommerziellen Robbenfangs vorbei ist. Dieser Wirtschaftszweig ist unmoralisch und unökonomisch. Keiner will die Felle der erschlagenen Babys haben. Die USA hatten schon vor fast 40 Jahren ein Importverbot verhängt, die EU zog letztes Jahr nach. Aber anscheinend glaubt man in Amerikas hohen Norden, mit mehr oder weniger albernen Demonstrationen die Europäer noch beeindrucken und umstimmen zu können.
O Das jüngste Beispiel: Fred Schell, Abgeordneter des Territoriums Nunavut, will in dieser Woche einen Gesetzentwurf einbringen, nach dem der Import von allen europäischen Alkoholprodukten verboten werden soll. Da werden Getränkekonzerne wie Heineken sich aber fürchten, wenn die knappe Handvoll Schnapsläden Nunavuts nichts mehr bestellen.
O Im letzten Mai entblödete sich Michaelle Jean, Generalgouverneurin und Commonwealth-Repräsentantin Königin Elizabeths, nicht, öffentlich einer Robbe den Brustkorb aufzuschlitzen, das Herz rauszureißen und es roh aufzuessen. EU-Kommissionspräsident Barroso dürfte angesichts dieser Aktion weniger an eine Aufhebung des Robben-Importverbots gedacht haben als an eine Empfehlung an die britische Regierung, Kanada aus dem Commonwealth zu werfen.
O Letzte Woche lud in Ottawa die Senatorin Celine Hervieux-Payette 30 Gäste (plus Presse) ein, mit ihr in einem edlen Parlamentarier-Restaurant ein Robben-Mahl samt gutem Wein  zu verzehren. Man hat allen Grund anzunehmen, dass diese Nummer der Senatorin keinen weiteren Zweck hatte, als mal wieder in der Zeitung zu stehen.
O Im Februar hatte Finanzminister Jim Flaherty die Minister einer G7-Konferenz in Iqalut zu einem Robben-Essen eingeladen. Nicht einer der Regierungsvertreter erschien.
Wie auch in Japan, wo fabrikmäßiger Walfang mit alten Fischertraditionen verwechselt wird, beschwören kanadische Politiker die Sitten von Subsistenzjägern vergangener Jahrhunderte wenn sie kommerzielle Robbenschlägerei auf dem Eis meinen. Dabei versprechen die Zahlen so deutlich ein Ende dieser Jagd. So fiel zwischen 2006 und 2009 der Preis für ein Robbenfell von 100 auf 15 Dollar. In Neufundland macht das Geschäft mit den Fellen allenfalls 0,05 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. Im letzten Jahr blieben 70 Prozent der Jäger zu Hause. Kein Geschäft mehr.
Die haben begriffen. Ihre Politiker nicht.
A propos Politiker, es gibt noch einen Preis zu verleihen, den für das verlogenste Argument. Der Abgeordnete Schell, vor dem schon Europas Getränkeindustrie zittert, hat ihn verdient. „Das ist eben der Lebensstil vieler Leute hier“, sagt er und dürfte an dieser Stelle einen besonders treuen Augenaufschlag gemacht haben, „sie essen das Fleisch der Robben – ja sollen sie etwa die Felle dann wegschmeißen?“
Andersrum, Herr Schell, sie schlagen die Tiere tot, nehmen die Felle mit und lassen das Fleisch verrotten. Im letzten Frühjahr 72 000 Mal.
Walter Karpf

In diesen Wochen sind die beiden üblichen Verdächtigen wieder dabei, sich in der Nationengemeinschaft als Ober-Parias zu produzieren – die Japaner in der Antarktis als Walfänger und die Kanadier auf dem Eis ihrer Ostküste als Robbenbaby-Schlächter.

Doch während man den Japanern wegen der Raffinesse und Skrupellosigkeit, mit der sie aller Welt die Legalität und Notwendigkeit des Walfangs verkaufen wollen, wenigstens professionelle PR bescheinigen muss, grenzen kanadische Maßnahmen an Dämlichkeit. Offensichtlich sind kanadische Robbenschläger und Politiker die einzigen Menschen weltweit, die noch nicht begriffen haben, dass die Zeit des kommerziellen Robbenfangs vorbei ist. Dieser Wirtschaftszweig ist unmoralisch und unökonomisch. Keiner will die Felle der erschlagenen Babys haben. Die USA hatten schon vor fast 40 Jahren ein Importverbot verhängt, die EU zog letztes Jahr nach. Aber anscheinend glaubt man in Amerikas hohen Norden, mit mehr oder weniger albernen Demonstrationen die Europäer noch beeindrucken und umstimmen zu können.

Das jüngste Beispiel: Fred Schell, Abgeordneter des Territoriums Nunavut, will in dieser Woche einen Gesetzentwurf einbringen, nach dem der Import von allen europäischen Alkoholprodukten verboten werden soll. Da werden Getränkekonzerne wie Heineken sich aber fürchten, wenn die knappe Handvoll Schnapsläden Nunavuts nichts mehr bestellen.

Im letzten Mai entblödete sich Michaelle Jean, Generalgouverneurin und Commonwealth-Repräsentantin Königin Elizabeths, nicht, öffentlich einer Robbe den Brustkorb aufzuschlitzen, das Herz rauszureißen und es roh aufzuessen. EU-Kommissionspräsident Barroso dürfte angesichts dieser Aktion weniger an eine Aufhebung des Robben-Importverbots gedacht haben als an eine Empfehlung an die britische Regierung, Kanada aus dem Commonwealth zu werfen.

Letzte Woche lud in Ottawa die Senatorin Celine Hervieux-Payette 30 Gäste (plus Presse) ein, mit ihr in einem edlen Parlamentarier-Restaurant ein Robben-Mahl samt gutem Wein  zu verzehren. Man hat allen Grund anzunehmen, dass diese Nummer der Senatorin keinen weiteren Zweck hatte, als mal wieder in der Zeitung zu stehen.

Im Februar hatte Finanzminister Jim Flaherty die Minister einer G7-Konferenz in Iqalut zu einem Robben-Essen eingeladen. Nicht einer der Regierungsvertreter erschien.

Wie auch in Japan, wo fabrikmäßiger Walfang mit alten Fischertraditionen verwechselt wird, beschwören kanadische Politiker die Sitten von Subsistenzjägern vergangener Jahrhunderte wenn sie kommerzielle Robbenschlägerei auf dem Eis meinen. Dabei versprechen die Zahlen so deutlich ein Ende dieser Jagd. So fiel zwischen 2006 und 2009 der Preis für ein Robbenfell von 100 auf 15 Dollar. In Neufundland macht das Geschäft mit den Fellen allenfalls 0,05 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. Im letzten Jahr blieben 70 Prozent der Jäger zu Hause. Kein Geschäft mehr.

Die haben begriffen. Ihre Politiker nicht.

A propos Politiker, es gibt noch einen Preis zu verleihen, den für das verlogenste Argument. Der Abgeordnete Schell, vor dem schon Europas Getränkeindustrie zittert, hat ihn verdient. „Das ist eben der Lebensstil vieler Leute hier“, sagt er und dürfte an dieser Stelle einen besonders treuen Augenaufschlag gemacht haben, „sie essen das Fleisch der Robben – ja sollen sie etwa die Felle dann wegschmeißen?“

Andersrum, Herr Schell, sie schlagen die Tiere tot, nehmen die Felle mit und lassen das Fleisch verrotten. Im letzten Frühjahr 72 000 Mal.

Walter Karpf, 10.03.2020