Fische und Fischfang in schwerer See

Fische und Fischfang in schwerer See
Die Fischerei steckt in einer tiefen Krise. Das zeigt die Analyse der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) der Europäischen Union, die seit April 2009 auf dem Prüfstand steht. Schuld daran ist die Fischerei. Die Reform der GFP von 2002 hat fast nichts gebracht. In ihrem „Grünbuch“ wird ein neuer Anfang gemacht auf der Suche nach einer endlich nachhaltigen Fischerei, die Fische wie Fischer überleben lässt – zunächst bis 2020.
Die größten Probleme für die bisherige Misswirtschaft liegen auf der Hand: Die Politik  hat bei der Vergabe von Fangquoten nicht auf den Rat der Wissenschaft gehört; Fang- und Flottenkapazität sind viel zu hoch, nicht minder die Subventionen. Der Fischfang noch immer nicht als gravierender Eingriff in das größte Ökosystem der Erde verstanden. Es darf bei der Ausbeutung der maritimen Ressourcen nicht nur um Fangzahlen einzelner Arten gehen. Der gesamte Lebensraum Ozean (71% der Erde) ist vom Fischfang direkt oder indirekt betroffen. Mit anderen Worten: Es fehlt noch immer der ökologische Ansatz – und ein Plan, der weiter reicht als nur ein Jahr.
Subventionen, wie die Bezuschussung von Treibstoff für die Fischer, die immer weitere Seewege zurücklegen, um für wenig Fisch noch „rentabel“ zu fahren, sind ein Garant für weitere Überfischung und für ein böses Ende der Fischerei. Das war nicht immer so. Bevor es Subventionen gab, galt ein Fischbestand als „kommerziell ausgerottet“, wenn es sich wegen zu geringer Fänge nicht mehr lohnte, auszulaufen. Man ließ die wenigen Fische schwimmen, und  die Fischbestände hatten noch eine Chance, sich erholen zu können.
Doch das ist vorbei, und es wäre auch dringend an der Zeit, neben dem höchst möglichen Dauerertrag im Rahmen einer Quotenregelung  den ökonomischen Aspekt einzubeziehen. Dann hätten  Subventionen keinen Platz! Subventionen für Not leidende Fischer müssen vermutlich sein – aber nicht für weiteres – und eben nicht nachhaltiges – Fischen.
Die Bilanz sieht nach 10 Jahren für die Fischereireform verheerend aus. Mehr als 80% der wirtschaftlich genutzten Fischbestände in den EU-Gewässern sind überfischt und befinden sich in einem schlechten Zustand – mindestens 30% sogar außerhalb sicherer biologischer Grenzen. Und in anderen Meeren der Welt sieht es selten besser aus. Es gibt nur noch sehr wenige große Exemplare von kommerziell interessanten Arten, wie Kabeljau, Scholle, Steinbutt oder Heilbutt. Die großen Fische sind aber genetisch besonders wichtig für gesunden und kräftigen Nachwuchs.
So kann bzw. konnte ein Kabeljau über einen Meter lang und mehr als 15 Kilo schwer werden, sowie ein Alter von über 20 Jahren erreichen. Ein Heilbutt konnte einst drei – vier Meter Länge und ein Gewicht von über 300 Kilo, so wie ein Alter von 40-50 Jahren erreichen. Doch solche Prachtexemplare sind bei vielen Speisefischen Geschichte. Und es ist marktwirtschaftlich und ökologisch als Katastrophe zu bezeichnen, wenn der Fischhandel den unbedarften Kunden mit besonderen Delikatessen lockt, wie Baby-Steinbutt oder winzigen  Mai-Schollen, die erst wenige Monate alt sind.
Ein Fisch sollte frühestens dann ins Netz gehen, wenn er mindestens einmal gelaicht hat, sprich wenigsten einmal für Nachwuchs sorgen konnte. Das lernten wir einst noch im Studium.  Den großen Arten, wie Haien, Tunen oder Schwertfischen geht es besonders schlecht. Sie haben inzwischen Seltenheitswert und fehlen im biologischen Gleichgewicht der Ozeane.
Trotz Vorschriften und vorgeschriebener Maschenweiten, gehen den Fischern zu viele Jungfische oder unerwünschte Arten in die Netze. Sie werden nicht selten als kaum überlebensfähige, so genannte „discards“ wieder über Bord geworfen – allerdings ohne in die Fangquoten eingerechnet zu werden. Tot ist tot, und man kann nur zu dem Schluss kommen, dass auch solche Rückwürfe berücksichtigt werden müssten.
Angeln ist in aller Regel ein schonenderer Eingriff  in das Ökosystem, als der Fang mit Netzen. Mit der Angel werden weniger „Nicht-Zielarten“ gefangen,  wie unerwünschte Fische aber auch viel  weniger Schweinswale und Meeresenten. Der Angel-Fisch hat meistens eine viel bessere Qualität, weil er nicht im Netz gequetscht wird und liesse sich besser und teurer verkaufen, würde er legal auf den Markt kommen.
Allerdings machen die vielen Freizeit- und Hobbyangler den Berufsfischern große Konkurrenz: Eine Studie im Auftrag der EU hat gezeigt, dass in der Ostsee hochgerechnet genauso viel Dorsch von Hobby-Anglern gefangen wird wie von Berufsfischern. Die Quoten der Freizeitfischer werden aber nur „über den Daumen“ gepeilt und angegeben – und gehen somit nicht oder nur zu einem Bruchteil in die Fangquote mit ein. So oder so…Die Fischerei gräbt sich ohne tief greifende Reformen selbst ihr Grab.
Um diesem ökologischen und ökonomischen Dilemma entgegen zu wirken, wird jetzt an der 3. Reform der GFP gearbeitet, die voraussichtlich 2013 in Kraft treten soll. Die Basis dafür ist das „Grünbuch“, in dem die vielen Schwächen und wenigen Stärken der vorigen Reform und die Vision für die Zukunft aufgearbeitet wurden. Dazu hat die Europäische Kommission Kommentare aller Interessierten entgegen genommen. In diesem Jahr werden die Konsultations-ergebnisse veröffentlicht,  und in 2011 soll ein Legislaturvorschlag vorgelegt werden.
Die GSM hat sich daran mehrfach beteiligt. Sie gehört dem Bündnis OCEAN2012 an, einem Zusammenschluss von Nicht Regierungs Organisationen (NGO), die mit Öffentlichkeitsarbeit und Lobby für eine sinnvolle Reform der GFP eintreten.  www.ocean2012.eu.
So viel ist klar: Wir bleiben dran.
Petra Deimer

Die Fischerei steckt in einer tiefen Krise. Das zeigt die Analyse der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) der Europäischen Union, die seit April 2009 auf dem Prüfstand steht. Schuld daran ist die Fischerei. Die Reform der GFP von 2002 hat fast nichts gebracht. In ihrem „Grünbuch“ wird ein neuer Anfang gemacht auf der Suche nach einer endlich nachhaltigen Fischerei, die Fische wie Fischer überleben lässt – zunächst bis 2020.

Die größten Probleme für die bisherige Misswirtschaft liegen auf der Hand: Die Politik  hat bei der Vergabe von Fangquoten nicht auf den Rat der Wissenschaft gehört; Fang- und Flottenkapazität sind viel zu hoch, nicht minder die Subventionen. Der Fischfang noch immer nicht als gravierender Eingriff in das größte Ökosystem der Erde verstanden. Es darf bei der Ausbeutung der maritimen Ressourcen nicht nur um Fangzahlen einzelner Arten gehen. Der gesamte Lebensraum Ozean (71% der Erde) ist vom Fischfang direkt oder indirekt betroffen. Mit anderen Worten: Es fehlt noch immer der ökologische Ansatz – und ein Plan, der weiter reicht als nur ein Jahr.

Subventionen, wie die Bezuschussung von Treibstoff für die Fischer, die immer weitere Seewege zurücklegen, um für wenig Fisch noch „rentabel“ zu fahren, sind ein Garant für weitere Überfischung und für ein böses Ende der Fischerei. Das war nicht immer so. Bevor es Subventionen gab, galt ein Fischbestand als „kommerziell ausgerottet“, wenn es sich wegen zu geringer Fänge nicht mehr lohnte, auszulaufen. Man ließ die wenigen Fische schwimmen, und  die Fischbestände hatten noch eine Chance, sich erholen zu können.

Doch das ist vorbei, und es wäre auch dringend an der Zeit, neben dem höchst möglichen Dauerertrag im Rahmen einer Quotenregelung  den ökonomischen Aspekt einzubeziehen. Dann hätten  Subventionen keinen Platz! Subventionen für Not leidende Fischer müssen vermutlich sein – aber nicht für weiteres – und eben nicht nachhaltiges – Fischen.

Die Bilanz sieht nach 10 Jahren für die Fischereireform verheerend aus. Mehr als 80% der wirtschaftlich genutzten Fischbestände in den EU-Gewässern sind überfischt und befinden sich in einem schlechten Zustand – mindestens 30% sogar außerhalb sicherer biologischer Grenzen. Und in anderen Meeren der Welt sieht es selten besser aus. Es gibt nur noch sehr wenige große Exemplare von kommerziell interessanten Arten, wie Kabeljau, Scholle, Steinbutt oder Heilbutt. Die großen Fische sind aber genetisch besonders wichtig für gesunden und kräftigen Nachwuchs.

So kann bzw. konnte ein Kabeljau über einen Meter lang und mehr als 15 Kilo schwer werden, sowie ein Alter von über 20 Jahren erreichen. Ein Heilbutt konnte einst drei – vier Meter Länge und ein Gewicht von über 300 Kilo, so wie ein Alter von 40-50 Jahren erreichen. Doch solche Prachtexemplare sind bei vielen Speisefischen Geschichte. Und es ist marktwirtschaftlich und ökologisch als Katastrophe zu bezeichnen, wenn der Fischhandel den unbedarften Kunden mit besonderen Delikatessen lockt, wie Baby-Steinbutt oder winzigen  Mai-Schollen, die erst wenige Monate alt sind.

Ein Fisch sollte frühestens dann ins Netz gehen, wenn er mindestens einmal gelaicht hat, sprich wenigsten einmal für Nachwuchs sorgen konnte. Das lernten wir einst noch im Studium.  Den großen Arten, wie Haien, Tunen oder Schwertfischen geht es besonders schlecht. Sie haben inzwischen Seltenheitswert und fehlen im biologischen Gleichgewicht der Ozeane.

Trotz Vorschriften und vorgeschriebener Maschenweiten, gehen den Fischern zu viele Jungfische oder unerwünschte Arten in die Netze. Sie werden nicht selten als kaum überlebensfähige, so genannte „discards“ wieder über Bord geworfen – allerdings ohne in die Fangquoten eingerechnet zu werden. Tot ist tot, und man kann nur zu dem Schluss kommen, dass auch solche Rückwürfe berücksichtigt werden müssten.

Angeln ist in aller Regel ein schonenderer Eingriff  in das Ökosystem, als der Fang mit Netzen. Mit der Angel werden weniger „Nicht-Zielarten“ gefangen,  wie unerwünschte Fische aber auch viel  weniger Schweinswale und Meeresenten. Der Angel-Fisch hat meistens eine viel bessere Qualität, weil er nicht im Netz gequetscht wird und liesse sich besser und teurer verkaufen, würde er legal auf den Markt kommen.

Allerdings machen die vielen Freizeit- und Hobbyangler den Berufsfischern große Konkurrenz: Eine Studie im Auftrag der EU hat gezeigt, dass in der Ostsee hochgerechnet genauso viel Dorsch von Hobby-Anglern gefangen wird wie von Berufsfischern. Die Quoten der Freizeitfischer werden aber nur „über den Daumen“ gepeilt und angegeben – und gehen somit nicht oder nur zu einem Bruchteil in die Fangquote mit ein. So oder so…Die Fischerei gräbt sich ohne tief greifende Reformen selbst ihr Grab.

Um diesem ökologischen und ökonomischen Dilemma entgegen zu wirken, wird jetzt an der 3. Reform der GFP gearbeitet, die voraussichtlich 2013 in Kraft treten soll. Die Basis dafür ist das „Grünbuch“, in dem die vielen Schwächen und wenigen Stärken der vorigen Reform und die Vision für die Zukunft aufgearbeitet wurden. Dazu hat die Europäische Kommission Kommentare aller Interessierten entgegen genommen. In diesem Jahr werden die Konsultations-ergebnisse veröffentlicht,  und in 2011 soll ein Legislaturvorschlag vorgelegt werden.

Die GSM hat sich daran mehrfach beteiligt. Sie gehört dem Bündnis OCEAN2012 an, einem Zusammenschluss von Nicht Regierungs Organisationen (NGO), die mit Öffentlichkeitsarbeit und Lobby für eine sinnvolle Reform der GFP eintreten.  www.ocean2012.eu.

So viel ist klar: Wir bleiben dran.

Petra Deimer, 11.03.2010