Aus für den Blauflossen-Thunfisch?
Gegen jede Vernunft und jede wissenschaftliche Empfehlung ist es Japan und befreundeten Staaten gelungen, dringend nötige Schutzmaßnahmen für den Blauflossenthun (Thunnus thynnus) im Atlantik zu verhindern. Der Anlass: Ein Antrag Monacos auf vorübergehende Beendigung des internationalen kommerziellen Handels mit dem begehrten und bedrohten Edelfisch während der 15. Vertragsstaaten-Konferenz zum Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES),13.-25. März in Katars Hauptstadt Doha. Das Ergebnis ist niederschmetternd. Gerade 20 von den etwa 120 anwesenden Mitgliedsstaaten stimmten für die notwendige Listung auf Anhang I; 68 dagegen und 30 enthielten sich der Stimme.
CITES war die letzte Hoffnung auf Vernunft, nachdem die für das Fischereimanagement zuständige Kommission ICCAT (International Commission for the Conservation of Atlantic Tunas) ihre Ziele seit gut 3 Jahrzehnten verfehlt. So wurde von der Wissenschaft für 2007 eine Fangquote von 15 000 t vorgeschlagen, letztendlich aber von der Fischereipolitik eine Quote von 29 500 genehmigt – und am Ende noch viel mehr gefangen. Wen wundert es? Ein Exemplar dieses charismatischen bis 4 m langen und über 700 kg schweren Fisches, der 40 Jahre alt werden kann, spült 100 000 US$ in die Kassen. Er ist z.B. das Highlight der Sushi-Küche.
Die ICCAT-Wissenschaftler haben hochgerechnet, dass der Bestand im östlichen Atlantik bei Fortsetzung jetziger Quoten bald nur noch 18% des Bestandes von 1970 haben wird – und nur noch 6% seines Ursprungsbestands – von vor der kommerziellen Ausbeutung. Im westlichen Atlantik sieht es für den Bestand noch schlechter aus: ICCAT-Wissenschaftler errechneten sogar bei einer hypothetischen Quote von 0 (Null), dass die Ikone der Fische auch im Jahr 2019 noch immer als bedroht gelten würde müssen. Für 2023 sieht die Prognose auch nicht besser aus.
Zu den grundsätzlich schon politisch zu hoch geschraubten Quoten kommt die illegale Quote. Sie hat in der Fischerei sogar einen Namen: IUU-Fishing (Illegal, Unreported and Unregulated) Sie dürfte diesem wunderbaren Fisch schon bald den Rest geben. Dagegen hätte die Listung in CITES helfen können, die den kommerziellen Handel verboten hätte – und so manchen illegalen Handel hätte aufdecken können. Nun bleibt nur eine Hoffnung: Dass die Liebhaber des Roten oder Blauflossen-Thuns ihrer kostbaren Delikatesse weniger nach dem Leben trachten. Gute Gründe hätte auch die Fischerei.
Petra Deimer, 23.03.2010


