Was kommt in diesem Jahr auf die Wale zu?
Im Rahmen der „Internationalen Walfang-Kommission“ (IWC) hat eine Arbeitsgruppe nach zähem Ringen ein Kompromisspapier erarbeitet, das vom 21.-25. Juni im marokkanischen Agadir während der 62. IWC Tagung verhandelt werden soll. Das Dokument soll helfen, die inzwischen 88 Staaten starke IWC wieder arbeitsfähig zu machen. Denn die IWC ist seit vielen Jahren in einer Sackgasse, aus der sie insbesondere aus politischen Gründen nicht herauskommen kann.
Der Grund: Die IWC-Bestimmungen waren schon lange aus dem Ruder gelaufen, weil das seit dem Jahr 1986 theoretisch in Kraft getretene Moratorium umgangen wurde. Frei nach dem Motto der Walfang ist tot – es lebe der Walfang haben Norwegen und Island einen „Vorbehalt“ gegen das Fangverbot zu kommerziellen Zwecken eingebracht. Die IWC-Statuten machen dies möglich. Und Japan hat die Möglichkeit genutzt, Wale aus wissenschaftlichen Gründen abzuschießen. Auch das ist möglich, auch wenn unter der Ausnahme Wissenschaft niemals an so hohe Quoten gedacht worden war, die geeignet sind, den kommerziellen Walfang für die Zeit des Moratoriums über Wasser zu halten.
Mehr als 33 000 Wale wurden so trotz des „Waffenstillstands“ abgeschossen. Dazu kommen noch die Fangquoten indigener Völker von fast 8 000 für die das Moratorium ohnehin nicht gilt. Und Südkorea hilft sich vorübergehend offenbar mit einer Beifangquote von etwa 100 Walen, die den Fischern versehentlich (?) in die Netze gehen, und weil sie schon tot sind, dürfen sie auch gegessen werden.
Alle Bemühungen den Walschutz besser durchzusetzen, waren bislang verhindert worden, und die Walfangländer konnten gleichwohl keine Mehrheit für ihre Belange bekommen. Der Grund: Für mehr Schutz bzw. für die offizielle Wiederaufnahme des Walfangs wäre jeweils eine Dreiviertelmehrheit nötig gewesen. Dass die nicht zustande kam, verhinderten immer mehr beitretende Länder, und es ist schon lange kein offenes Geheimnis mehr, dass Japan großzügig mit seiner Entwicklungshilfe umging und etliche kleine Inselstaaten fördert.
Nun hat die Arbeitsgruppe ihr Kompromisspapier, das auf der 62. IWC-Tagung behandelt werden soll. Es kann geändert, angenommen oder abgelehnt werden. Wir können nur hoffen, dass am Ende nicht weiterhin die Wale die Verlierer sind. Schließlich besteht noch immer das Moratorium, das Wal-Fangverbot, das gar keine kommerziellen Fangquoten zulässt – und schon gar nicht im Schutzgebiet Antarktis. Japan hat allerdings schon verkündet, auf die vorgeschlagenen Kompromisse bei den Quoten nicht eingehen zu können. Bleibt also alles beim alten?
Petra Deimer, 27.04.2010


