Sensation im Mittelmeer

Ihren Augen wollten israelische Wissenschaftler kaum glauben, als sie am 8. Mai im Mittelmeer einen ungewöhnlichen Wal entdeckten. Der seltene Gast schwamm ca. eineinhalb Meilen vor der Marina Herzlija. Das Team des IMMRAC (Israel Marine Mammal Research & Assistance Center) nahm sofort seine Spur auf und folgte zwei Stunden lang dem etwa 13 Meter langen Meeressäuger in Richtung Süden.

Nach einer Weile Rätselratens war die Überraschung nicht mehr zu toppen. Das zunächst für einen Pottwal gehaltene Tier muss aller Wahrscheinlichkeit nach ein Grauwal sein. Daran lassen Fotos von Schwanzflosse, Rücken und Kopf kaum einen Zweifel. Das absolut Ungewöhnliche an dieser Sensation ist, dass der Atlantische Grauwal einst existierte, aber wohl schon im siebzehnten oder achtzehnten Jahrhundert ausgestorben ist bzw. höchstwahrscheinlich ausgerottet wurde.

Derzeit leben im Nördlichen Pazifik zwei Bestände, der „Kalifornische Grauwal“ im östlichen Pazifik und der „Koreanische Grauwal“ im westlichen Pazifik. Dem Westpazifischen Grauwal geht es sehr schlecht, zumal er mindestens bis 1966 noch von Korea und Japan kommerziell gejagt wurde – und auch heute noch zu viele Tiere im Beifang umkommen. Er ist vom Aussterben bedroht und könnte in wenigen Jahren ausgestorben sein, so die Befürchtung vieler Wissenschaftler.

Dem Ostpazifischen Grauwal geht es ganz gut. Er steht aber auch seit über 70 Jahren unter Schutz. Nachdem der „Graue Teufelsfisch“ einst entlang der amerikanischen Pazifikküste bis an den Rand der Ausrottung bejagt worden war, wurde sein Bestand vor 12 Jahren von Wissenschaftlern der Internationalen Walfang-Kommission (IWC) auf rund 26 000 Tiere hochgerechnet. Heute machen ihm neben indigenen Walfängern von Sibirien am ehesten Umweltprobleme zu schaffen.

Der Kalifornische Grauwal ist der Pionier des Whale Watching, dem Abenteuer-Tourismus Wale beobachten. Der wohl beste Platz der Weltmeere ist dafür die Baja California mit ihren Lagunen, die zwischen Ende Januar – Anfang April zur Kinderstube der Grauwale werden. Rund 20 000 km wandern die „Grauen Felsküstenschwimmer“ jedes Jahr zwischen ihren sommerlichen Weidegründen in der Arktis und ihrem Aufzuchtgebiet unter der Sonne Mexikos. Damit ist der Pazifische Grauwal ein Meister im Langstreckenwandern. Kaum ein anderes Säugetiere übertrifft seine Rekorde.

Wer weiß, vielleicht hat der Wal im Mittelmeer von der Arktis kommend den Atlantik aufgesucht, z.B. weil der Klimawandel die Fahrt durch die West-Ostpassage möglich macht. Wir drücken die Flossen, dass er seinen Weg wieder zurückfindet und nicht in irgendwelche Fischernetze gerät, die so vielen seiner Artgenossen besonders im westlichen Pazifik  schon zum Verhängnis geworden sind.

Petra Deimer, 12.05.2010

Grauwalsichtung_2010
Position Grauwalsichtung
Grauwal 1
Grauwal vor Herzlija
Grauwal vor Herzlija
Grauwal vor Herzlija
Grauwal vor Herzlija
Grauwal vor Herzlija
Grauwal vor Herzlija
Grauwal vor Herzlija