Algenpest gefährdet die kränkelnde Ostsee
Baden in der Ostsee kann unangenehm, vielleicht auch gefährlich werden. Der Grund: Algenblüte durch Cyanobakterien, auch Blaualgen genannt. Sie vermehren sich explosionsartig und können giftig sein. Noch gibt es keinen Algenalarm in Schleswig-Holsteins Gewässern, doch es ist eine Frage der Zeit, wie in 2003. Die Algen profitieren vom üppigen Sonnenlicht und den Nährstoffen, die ihnen vor allem die Landwirtschaft liefert. Während Nitrate und Phosphate von Natur aus sogenannte Minimumstoffe sind, die das Algenwachstum einst begrenzten, sorgen heute die Düngemittel der modernen Landwirtschaft mit ihrer Massenproduktion für „Eutrophierung“ oder Überdüngung. Die Katastrophe ist einmal mehr „hausgemacht“.
In Fäden zusammengesetzt, lassen die Blaualgen die Ostsee plötzlich wie eine Nudelsuppe aussehen, ehe Strömung und Wind sie zu ekligen Teppichen zusammentreiben. Die Ostsee ist schon lange in einer ökologischen Grenzsituation, die in einer ökologischen Katastrophe enden kann. Nach dem Zusammenbruch jeder Blaualgen-Blüte werden die Reste am Boden abgebaut, unter weiterem Verbrauch von Sauerstoff. Noch mehr Bereiche der schon lange kranken Ostsee werden ökologisch „umkippen“.
Schon jetzt sind fast alle Tiefenzonen der Ostsee tot und können wegen fehlenden Eintrags von frischem, sauerstoffhaltigem Wasser aus der Nordsee kaum noch regenerieren.
Die Teppiche aus Blaualgen und abgestorbenem Seegras kommen hinzu. Grün-braune Fadenalgen, die sich ebenfalls prächtig vermehren, legen sich als „Leichentücher“ auf Muschelbänke und andere am Boden lebende Tiere und bringen den Tod durch Ersticken. Eine Genesung der kränkelnden Ostsee wird immer schwerer.
Als Belastung für das Ostsee-Ökosystem kommt die Massenentwicklung von Quallen hinzu, wie zu Beginn des Sommers 2003. Zu viele Quallen fressen zu viele junge Fische und andere Kleinlebewesen.
Der Sauerstoffmangel wird zu Massensterben bei Fischen und anderen Lebewesen führen, wie Krebsen, Seepocken und Miesmuscheln, die als Filtrierer unter normalen Umständen für Sauberkeit im Wasser sorgen. Die Blaualgen, von denen es weltweit mehr als 2 000 Arten gibt, können durch ihr Absterben Giftstoffe freisetzen und Wasservögel, die von dem Wasser trinken, töten.
Als 1988 im nördlichen Atlantik eine „Algenpest“ ausbrach, starben nicht nur Fische in Massen, sondern auch viele Delfine. Sie hatten vergiftete Fische gefressen. Für den Schweinswal in der Ostsee können vergiftete Fische das Ende bedeuten. Der Schweinswal in der Ostsee ist vom Aussterben bedroht.
Die Algenpest in der Ostsee des Sommers 2003 macht deutlich, dass auch die Meere, besonders die ohne offenen Zugang zum Ozean, eine Agrarreform mit weniger Massenproduktion bitter nötig haben.
Petra Deimer, 23.07.2010
Weitere Informationen: Petra Deimer, Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere
Tel. 0171 7848320, e-mail pdeimer@gsm-ev.de und www.gsm-ev.de


