Wie vertragstreu ist Grönland?
Wenn es um den Walfang geht, wird gelogen, betrogen, bestochen. Und es werden Verträge gebrochen, so wie jetzt in Grönland.
Erst in diesem Sommer hat die Grönländische Regierung von der Internationalen Walfang Kommission (IWC) die lang ersehnte Erlaubnis erhalten, neun Buckelwale jährlich zu fangen. Unter zwei Bedingungen: Erstens darf die Jagd ausdrücklich nicht vor Mitte Oktober beginnen, und zweitens ist sie nur für die „Subsistenz“, also den Eigenverbrauch der Jäger-Dörfer gestattet.
Die Tinte unter dem Vertrag war kaum trocken, da hat sich Grönland schon von seinem Inhalt distanziert und seinen Jägern erlaubt, ab Mitte August mit dem Fang zu beginnen. Offenbar in der Furcht, die Quote von neun Tieren nicht rechtzeitig erfüllen zu können, weil die Tiere im Herbst Grönlands Gewässer verlassen und in die Karibik ziehen.
Schon vor Vertragsschluss hatte die Whale and Dolphin Conservation Society (WDCS) vor Ort untersucht, wie das bei der Fang-Quote für Finn- und Zwergwale in Grönland läuft. Von wegen Subsistenz. Die Boote fuhren im Auftrag von Fleischfabriken raus, und ihre Beute fand sich später vakuumverpackt und tiefgefroren in den Regalen der Supermärkte. Bisher ist Grönlands Regierung einer EU-Kommissions-Aufforderung nicht nachgekommen, nach der sie nachweisen sollte, wer denn in Grönland es nötig hat, von Wal-Subsistenzjagd zu leben.
Grönland, immer noch zu Dänemark gehörig, strebt nach immer mehr Eigenstaatlichkeit. Es ist nicht vielversprechend, wenn die Arktisinsel sich schon jetzt als unzuverlässig in Punkto Vertragstreue erweist.
Walter Karpf, 23.08.2010


