Gute Nachrichten über Seehunde – aber immer noch Sorgen

Endlich mal eine Nachricht, die auch Tierschützer freut. Erstmals wurden im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer mehr als 10 026 Seehunde gezählt. Das ist eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 19 Prozent. Besonders erfreulich war der große Anteil der Jungtiere – ihre Zahl von fast 3000 lässt eine weitere Populationssteigerung für die nächsten Jahre erwarten.
Noch erfreulicher wird die Zahl, wenn man sich vor Augen führt, dass Anfang der 70er Jahre an gleicher Stelle nur 1500 Tiere gezählt wurden und 1988 und 2002 eine verheerende Staupeseuche unter der Seehunden wütete.

Bei aller Freude über die positiven Nachrichten, die in der Tendenz sicher auch für die ganze deutsche Nordseeküste stimmen – Sorgen bleiben. Die große Steigerung von 19 Prozent von 2009 auf 2010 kann auch auf methodische Schwächen der Zählung zurückgehen. Niemand kann sagen, ob sich nicht bei der Zählung des Jahres 2010 besonders viele Tiere auf den Sandbänken sonnten und 2009 besonders viele unsichtbar bei der Jagd im Wasser waren. Flugzählungen sind immer nur eine Momentaufnahme. Die größte Ungewissheit aber nennt Petra Deimer, Vorsitzende der GSM: „Die Umweltbelastung von Nord- und Ostsee aus Industrie, Landwirtschaft und Verkehr ist nach wie vor hoch. Mit hoher Wahrscheinlichkeit schwächt sie die Immunkraft von Meeressäugern. Gegen eine  Masseninfektion hätten die Seehunde an unserer Küste wenig Abwehrkraft zu setzen, so dass stets mit einer erneuten Epidemie zu rechnen ist.“

Walter Karpf, 23.08.2010