Japans Walfangflotte gibt vorläufig auf
Japan hat die diesjährige Walfangsaison in antarktischen Gewässern beendet. Vorzeitig, sagt die Tierschutzorganisation Sea Shepherd. Wie geplant, sagt der japanische Fischereiminister Michihiko Kano.
Die Fangflotte erbeutete 267 Zwergwale und einen Finnwal. Geplant waren 850 Zwerg- und 50 Finnwale. Das Ministerium führt die ungeplant niedrige Fangmenge auf schlechtes Wetter zurück. Sea Shepherd sagt: Weil wir die Jäger gestört haben. Aufgrund der geringeren Fänge dürfte die japanische Regierung in der nächsten Saison weniger Subventionen leisten.
Es ist ein bisschen blamabel, dass die 126-Millionen-Nation Japan sich so von der kleinen Tierschutzgruppe Sea Shepherd vorführen lässt. Denn schon im vorigen Jahr hat die von Paul Watson gegründete Gruppe die Walfänger zum vorzeitigen Ende der Fangsaison gezwungen. Und in dieser Saison hatte das von einem Tsunami und einer Atomreaktor-Katastrophe gestrafte Land Millionen von einem Hilfsfond für die Opfer abgezweigt und in die Walfangindustrie investiert.
Ihr Walfang diene der Wissenschaft, sagen die Japaner, und auf die Fangschiffe haben sie groß „Research“ geschrieben, Forschung. Was, bitte schön, soll noch an einem Zwergwal zu erforschen sein, den man gleich an Deck zerschneidet? „Beim Wissenschaftsausschuss der „Internationalen Walfang Kommission“ (IWC) werden uns immer dieselben Fotos von aufgeschnittenen Walmägen vorgeführt. Und wen wundert’s? Es ist bei antarktischen Zwergwalen hauptsächlich Krill drin, der schon immer ihre Hauptnahrung war“, sagt dazu die Meeresbiologin Petra Deimer von der GSM.
Das Land würde sich eher verdient machen, wenn es erforschen würde, wie sich eine Walart entwickelt, die noch nicht bis an den Rand der Ausrottung gebracht wurde und die man von jeder Jagd verschont. Beipielsweise Zwergwale. Man wüsste auch gern mehr über das Verhalten dieser vergleichsweise kleinen Bartenwale, wie sich die Population unter verschiedenen Krillmengen entwickelt. Daraus wird aber nichts, solange man Meerestiere allein als Konsumgüter betrachtet.
Walter Karpf


