Kanadische Robbenjagd 2012 lockte nur ein Zehntel der 6.000 Jäger

Insgesamt 69.175 Sattelrobben haben kanadische Fischer in der Jagd-saison 2012 getötet, die mit dem Monat Juni endete. Es handelte sich ausschließlich um Tiere, die noch keine zwei Monate alt waren. 1.569 von ihnen waren sogar noch weniger als drei Wochen alt.

Nach der Veröffentlichungspraxis der kanadischen Regierung sind in diesen Zahlen nicht die Robben enthalten, die lediglich angeschossen wurden und ins Wasser flüchteten, wo sie später verendeten.

Die Bilanz liegt deutlich über der von den 38.000 Tieren der vergangenen Saison, aber wiederum weit unter dem Ergebnis des Rekordjahrs 2004, als  365.071 Sattelrobben abgeschlachtet worden  waren, und allemal unter der für dieses Jahr freigegebenen Quote von 400.000 Tieren.

Von den 6.000 ausgegebenen Jagdlizenzen wurden nur 680 genutzt. Ausschließlich diese Inhaber hatten von dem Verarbeitungsbetrieb Carino auf Neufundland die Zusage erhalten, dass die Felle auch abgenommen würden. Carino – in norwegischer Hand – ist in diesem Jahr der einzige Betrieb, der Robbenfelle verarbeitet. Dafür hat er von der Regierung ein Darlehen von 3,6 Mio kanadischen Dollar erhalten.

In Schweigen hüllen sich die Politiker, wenn sie nach den Rückzahlungs-konditionen des Darlehens gefragt werden. Sehr wahrscheinlich ist es verloren, denn ein Markt für Robbenfelle existiert nicht mehr. Dazu haben  nicht zuletzt die Importverbote für Robbenprodukte beigetragen, die die Europäische Union im Jahr 2010 und Russland und andere Ostblockstaaten im Jahr 2011 einführten.

Die Regierung von Neufundland spricht dennoch von einem Aufschwung. Es gebe Anzeichen für die Bildung eines Marktes in China, und die Jagd würde in Kanada zum Einkommen der Fischer beitragen. Angesichts der gewährten gewaltigen Subvention ist dies Augenwischerei.

Kritiker der Robbenjagd halten den Politikern ironisch vor, dass man die Subvention auch von vornherein an die Fischer hätte auszahlen können. Dann hätten 1.000 von ihnen je 3.600 Dollar erhalten, mehr als sie in den letzten Jahren durch ihre Beteiligung an der  Robbenjagd jemals eingenommen hätten. “Das sinnlose Abschlachten der Meeressäugetiere,” sagt Petra Deimer, GSM, “ist an Perversität und Absurdität kaum zu überbieten.”

Ulrich Schnapauff