Kanadische Robbenjagd beginnt

Drei Wochen später als gewöhnlich hat das kanadische Fischereiministerium den Beginn der kommerziellen Robbenjagd an der Ostküste angesetzt: am 12. April. Gründe dafür wurden nicht angegeben.

Die Quote wurde bereits im Februar veröffentlicht: 400.000 Sattelrobben, 60.000 Kegelrobben und 8.200 Klappmützen dürfen getötet werden. Die hohen Zahlen verwundern angesichts der tatsächlichen Fänge der letzten Jahre. So belief sich  das Ergebnis des Jahres 2014 auf 59.000 Tiere. Das Fischereiministerium erklärt die Diskrepanz damit, dass die Population der Sattelrobben inzwischen bei sieben Millionen Tiere läge, und dies sei ausschlaggebend für die Berechnung der Quote durch ihre Wissenschaftler.

Tatsächlich zeigt die Diskrepanz, dass sich die kommerzielle Robbenjagd Kanadas in den letzten Jahren im Niedergang befindet. Dies hat hauptsächlich zwei Gründe: erstens besteht keine Nachfrage nach den Produkten, die aus Robben gewonnen werden, und zweitens lehnen die meisten Länder den Import von Robbenprodukten auch deswegen ab, weil die Kanadier bei der Jagd äußerst grausam vorgehen. So kommt es immer wieder vor, dass Tiere bei vollem Bewusstsein gehäutet werden.

Der Niedergang zeigt sich auch darin, dass die Zahl der teilnehmenden Robbenjäger und Boote von Jahr zu Jahr sinkt. Vor zehn Jahren waren noch mehr als 5.000 Lizenzen ausgegeben worden, jetzt waren es weniger als 400.

Offenbar hat es in den letzten Jahren häufiger Fälle gegeben, in denen die Fischer (fast alle Robbenjäger sind Fischer) nach ihrer Rückkehr auf ihren Fängen sitzen blieben. Deshalb fordert die Vereinigung der Robbenjäger ihre Mitglieder jetzt noch einmal auf, sich vor dem Auslaufen zu vergewissern, dass sie ordentliche Verträge mit ihren Abnehmern geschlossen haben.

Ulrich Schnapauff