Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere e.V.

Die GSM, Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere, wurde 1978 gegründet. Sie ist eine kleine, hauptsächlich ehrenamtlich arbeitende Organisation, deren Schwerpunkte in der Öffentlichkeitsarbeit und Naturschutzpolitik liegen. Ursprünglich nur in Hamburg, ist die GSM heute international und in vier Ländern präsent: Deutschland, Dänemark, Portugal und Schweden. Sie betreibt kein Fundraising und wurde bis 2007 im Wesentlichen vom „Internationalen Tierschutz-Fonds” (IFAW) gefördert. Seit 2008 ist die “Loro Parque Fundación” (LPF) Hauptsponsor der GSM. Ihr Logo ist nicht ohne Grund der Pottwal, der berühmte Moby Dick. Denn auf den Spuren des Moby Dick, bei den Walfängern von Madeira, hat die Meeresbiologin und Journalistin, Petra Deimer, Vorsitzende der GSM, den Anstoß für ihr Engagement erhalten. Vorstand und Mitglieder sind hauptsächlich Wissenschaftler und Journalisten.

Die GSM-Vorsitzende Petra Deimer ist auch von Amts wegen für die Meeressäugetiere tätig. So ist sie wiederholt als Mitglied in den Artenschutzbeirat des Bundesumweltministeriums berufen worden, der alle 4 Jahre für eine ehrenamtliche Periode ernannt wird. Sie ist Beraterin in Sachen Wale, Delfine und Robben im Rahmen etlicher internationaler Konventionen wie der Internationalen Walfang Kommission (IWC), dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA, das den internationalen Handel mit gefährdeten Arten kontrolliert bzw. verbietet), der Bonner Konvention (zum Schutz wandernder wildlebender Tiere) oder dem Kleinwale-Abkommen (ASCOBANS) für Nord- und Ostsee, dem auch die gefährdeten Schweinswale unterliegen. Damit sind nur einige genannt. Petra Deimer hat u.a. für Tätigkeiten im Rahmen der Naturschutzpolitik Ehrungen erfahren: World Wildlife Fund – Award for Conservation Merit, 1982; Bruno-H.-Schubert Stiftung, 1983; Konrad-Lorenz-Medaille, 1993; Goldene Arche, Prinz Bernhard der Niederlande, 2001.

Pottwale sind Kosmopoliten, in allen Weltmeeren zu Hause. Während die mit bis zu 18 m Länge viel größeren Männchen auch die polaren Meere von Arktis und Antarktis aufsuchen, bleiben die mit rund 11 – 12 m kleineren Weibchen in gemäßigten Breiten.

Wie alle Großwale wurden auch Pottwale in rund 200 Jahren intensiven und kommerziellen Walfangs übermäßig bejagt und in vielen Meeren bis an den Rand der Ausrottung verfolgt. Ziel der Harpunen waren stets die größeren Bullen, die den Walfängern schneller die Fässer mit dem „flüssigen Gold” der Meere füllten. Pottwale wurden besonders wegen ihres Blubbers (Speckschicht) und des „Spermaceti” oder „Walrat”, einer wachsartigen Substanz aus dem Schädelbereich, getötet. Dieses Organ, auch „Melone” genannt, dient den Pottwalen als Schwebehilfe, dank derer sie in jeder beliebigen Tiefe im Wasser schwerelos treiben oder liegen können. Sie dient wohl weiterhin als eine Art akustischer Linse dem Bündeln von Schallwellen bei ihrer Echolokation (Sonar).

Da die besonders tief tauchenden Bullen (1.000 – 4.000 m) enorme Drucke aushalten müssen, verträgt das Walrat auch sehr hohe Temperaturen. Deshalb wurden Pottwale besonders für „Industrieöl” abgeschossen. Ihr Fett eignet sich für hochtourig laufende Getriebe, aber auch für Kosmetika und ist lange haltbar. Inzwischen wird es weitläufig durch eine chemisch vergleichbare Substanz der kaffeebohnengroßen Nuss, der „Jojoba”, einer Halbwüstenpflanze, ersetzt.

Dem gnadenlosen Geschäft mit den faszinierenden Pottwalen wurde 1981 ein Riegel vorgeschoben: Die GSM legte beim damaligen Bundeslandwirtschaftsminister einen Antrag vor, Pottwale, aber auch Finn- und Seiwale vom „Washingtoner Artenschutzübereinkommen” (WA) zu erfassen. Der Antrag wurde anlässlich der 3. Vertragsstaatenkonferenz zum WA (nach seinem englischen Kürzel auch CITES genannt) im indischen Neu Delhi vorgebracht und von der GSM-Vorsitzenden wissenschaftlich verteidigt. Mit großem Erfolg: Die drei Arten erhielten (zusätzlich zu einigen anderen bereits gelisteten) den Schutzstatus Anhang I. Das bedeutet, ihre Produkte dürfen zu kommerziellen Zwecken international nicht mehr gehandelt werden. Für uns ein bahnbrechender Sieg, der uns international Anerkennung verschaffte. Japan aber beklagte sich, wir würden uns in seine Essgewohnheiten einmischen…

Das Handelsverbot machte letztendlich auch die Walfänger von Madeira kampfunfähig. Auf der portugiesisch-autonomen Atlantikinsel hatte die Vorsitzende der GSM schon lange wissenschaftlich – aber auch naturschutzpolitisch – gearbeitet. Und so streckten Eleuterio Reis und seine Walfänger 1982 die Harpunen, nachdem sie in 40 Jahren 5.885 Pottwale getötet hatten. Wir boten einen Deal an: Die GSM wirbt in den Medien für den Tourismus der „Blumeninsel”, und die Regionalregierung verabschiedet für das gesamte Hoheitsgebiet (200 Seemeilen) einen „Nationalpark Meeressäugetiere”. Die Idee ist seit 1987 Gesetz, und die Weltmeere hatten ihr erstes Schutzgebiet für Meeressäugetiere, das Wale, Delfine und Mönchsrobben vor Eingriffen durch Einheimische – aber auch Fremdnationen – schützt.

Der IFAW (Internationale Tierschutzfonds) half mit einem Scheck in Höhe von damals DM 200.000, um soziale Probleme zu lösen. So wurden ehemalige Walfänger zu Schutzbeauftragten, beispielsweise der frühere Kommandant der Walfangstation zum Museumsdirektor des von uns ins Leben gerufenen und zum Großteil ausstaffierten „Museo da Baleia” (Walmuseum) im ehemaligen Walfängerdorf Canical. Die Madeirenser sind uns keineswegs gram, sondern bedankten sich sehr herzlich und bedachten Petra Deimer mit einer Ehrenbürgerschaft der Gemeinde Machico, zu der auch Canical gehört.

Dank der Unterstützung durch den IFAW konnten wir weiterhin Projekte zum Schutz der extrem seltenen Mittelmeer Mönchsrobbe unterstützen: Wir finanzierten für vier Fischerboote alternatives Fanggeschirr, um sie aus dem Rückzugsgebiet der letzten Mittelmeer Mönchsrobben fernzuhalten. Die kleine, aber wohl behütete Population dieser Wärme liebenden Seehunde hat sich mit mindestens 25 Tieren recht gut stabilisiert (weltweit wird der Bestand auf 300 geschätzt). In jedem Jahr werden zwei bis drei Babys geboren. 2002 erblickten sogar vier Seemönche das Licht der schroffen Inselwelt.

Falls ein Robbenkind oder ein Alttier verunglückt, gibt es inzwischen auf den Desertas, einer von „Wildhütern” bewachten Inselgruppe südöstlich von Madeira, eine kleine, vom IFAW finanzierte Mönchsrobben-Rettungsstation mit Not-Pool. Wir hoffen, dass sie nie gebraucht wird.

Um die Robben davor zu schützen, als Beifang zu enden, wurden in allen Gewässern Madeiras und den zugehörigen Inseln jegliche Netze für die Fischerei verboten.

Damit ist die ehemalige Walfängerinsel heute noch weltweit vorbildlich in Sachen Naturschutz. Von dem Netzverbot profitieren natürlich auch die Fischbestände. Sie haben sich zusehends erholt.

Für Petra Deimer ging 1998/99 ein Wunsch in Erfüllung, als Ehemann Hans-Jürgen Schütte mit ihr gemeinsam einen Film für das deutsche und portugiesische Fernsehen über den Naturschutz des Archipels Madeira drehte mit dem Titel „Wildhüter im Atlantik”.

Obwohl sich die Bestände des Kalifornischen Grauwals im nördlichen Pazifik nach über 50 Jahren Schonzeit mit mehr als 20.000 Tieren wieder erholt haben, gehören die „Grauen Felsküstenschwimmer”, die zwischen den Gewässern Alaskas und Mexikos wandern, hin und wieder zu unseren Sorgenkindern. Die Indianer vom Stamm der Makah wollen sie, nachdem sie die Waffen fast 100 Jahre ruhen ließen, plötzlich wieder jagen. Ein junges Weibchen wurde 1999 bereits getötet. Sie behaupten, damit ihre Kultur und Tradition zu retten. Wir meinen, der moderne Walfang (ihre Jagdtechnik ist nicht dieselbe wie früher) gehört nicht in unser Jahrhundert. Momentan herrscht wieder Harpunenstillstand.

Es sieht vielmehr danach aus, als steckten andere Nationen hinter dem Ansinnen der Makah, um der weltweiten Walschutz-Lobby das Rückgrat zu brechen. Würde es gelingen, dass in den modernen USA (dazu gehören die Makah) wieder Wale getötet werden (Ausnahmen gelten für den Eingeborenen-Walfang von Alaska), hätten auch Japan und Norwegen, die letzten kommerziellen Walfang-Nationen, Argumente auf ihrer Seite.

Zudem alarmierte uns ein japanisch-mexikanisches Industrievorhaben in der „Laguna San Ignacio” entlang der Baja California. Soviel zur Geschichte: Ausgerechnet in der Kinderstube der Grauwale wollten der japanische Multi Mitsubishi und der Staat Mexiko die größte Salzfabrik der Welt errichten. Umweltschmutz und Unruhe, Schiffsverkehr und die Entnahme von zwei Millionen Liter Wasser pro Minute aus der Lagune hätten die Grauwale und ihre Babys bedroht. Zwar würde aus dem offenen Pazifik Wasser nachfließen, doch mit niedrigerem Salzgehalt und von geringerer Temperatur. Eine solche Veränderung muss sich negativ auf die Schwimmfähigkeit der nach der Geburt unbeholfenen Walbabys auswirken.

Weiterhin hätten die entnommenen und zum Verdunsten auf das Land zu spülenden Wassermassen wertvolle Natur zerstört: Mindestens 50.000 ha des dreifach national und international geschützten „Biosphären-Reservat” „Vizcaino Wüste” sollten unter dem Salz begraben werden. Auch hätten durch die „Compania Exportadora de Sal´s” (CES) weite Bereiche von Mangroven als Heimat und Brutplatz unzähliger Vögel, wie Pelikane und Gänse, unter der massiven Industrialisierung leiden müssen.

Wir haben in Zusammenarbeit mit anderen Verbänden, wie der lokalen „Grupo de los Cien”, dem IFAW und „Natural Resources Defense Council” Unterschriften gegen den Bau der Saline gesammelt und schon vor einigen Jahren der mexikanischen Botschaft in Bonn überreicht. Wir haben an Mitsubishi geschrieben.

Die Kampagne wurde mit Unterstützung des IFAW ein Riesenerfolg. Den durchschlagenden Erfolg brachte eine Anzeige. Mitsubishi gab den Plan auf.

Mit der Salzfabrik hätten die Verantwortlichen nicht nur den Walen buchstäblich das Wasser abgegraben, sondern auch den einheimischen Fischern und dem lokalen Tourismus: In der Baja California steht die Wiege des „Whale Watching”, einer Form des Abenteuertourismus, der auf Dauer viel mehr Gewinn einbringt als die kurzsichtige Plünderung von Naturparadiesen.

Whale Watching ist längst zu einem Boom geworden. In 90 Ländern (auch Walfangländern wie Japan und Norwegen) blüht das unblutige Geschäft mit den Walen. Weltweit wird ein Umsatz von längst weit mehr als einer Milliarde Dollar mit dieser Art „sanftem Tourismus” gemacht. Über zehn Millionen Menschen lassen sich pro Jahr begeistern. Und die Möglichkeiten sind noch lange nicht erschöpft. Im Rahmen der „Internationalen Walfang Kommission” (IWC) wird an Richtlinien für walfreundliches Whale Watching gearbeitet. Natürlich sind solche Richtlinien äußerst wichtig, damit nicht neuerdings die empfindlichen Meeressäugetiere durch ihre Fans bedrängt und in Gefahr gebracht werden. Die GSM arbeitet an einem einfachen Konzept für eine Kontrolle durch die begleitenden Touristen.

Ohne jede böse Absicht schweben auch die seltensten Wale des Nordatlantiks in Überlebensgefahr, obwohl sie durch etliche Gesetze geschützt sind: die Nordkaper (Eubalaena glacialis). Höchstens noch 300 dieser Glattwale überlebten vor den Küsten Nordamerikas und Kanadas den Aderlass durch den frühen Walfang. Den Südkapern – auf der südlichen Hemisphäre – erging es nicht viel besser. Weil diese besonders dicken und behäbigen Meeressäuger so langsam sind und nach dem Töten an der Wasseroberfläche treiben, nannten die Walfänger vor rund 200 Jahren sie die „Right Whales”, die „Richtigen” zum Fangen. Sie konnten sie nur zu leicht mit Handharpune und Handlanze erlegen. Und machten ihnen in wenigen Jahren fast den Garaus. Dass sich die Giganten auch heute – nach 60 Jahren Schutz – noch nicht erholen konnten, ist ein Drama. Es liegt besonders daran, dass die Tiere sich in Fischernetzen verstricken und bei Zusammenstößen mit Schiffen umkommen. Der IFAW hat die Probleme mit seinem Forschungssegler, der „Song of the Whale”, zu deutsch „Lied des Wals”, untersucht und politischen Druck ausgeübt. Der Erfolg: Die Schiffe müssen jetzt ihre Route in Nordkaper-Gewässern melden und mit Vorsicht navigieren.

Die GSM hat von dem Biologen Sven Koschinski ein Dokument (in englischer Sprache) erstellen lassen, das das Problem Schiffsunfälle mit Walen beschreibt und arbeitet an einer Resolution, die bei CMS (Konvention zum Schutz wandernder wildlebender Tiere) eingebracht werden soll. Die Todesrate von Meeressäugetieren durch Schiffsunfälle und Beifänge in der Fischerei hat dramatische Ausmaße angenommen. Petra Deimer hat eine populärwissenschaftliche Zusammenstellung über Beifänge erstellt.

Die „Song of the Whale” betreibt schon seit mehr als 20 Jahren in vielen Weltmeeren Walforschung. Auch Petra Deimer war mitunter dabei. Der Biologe und frühere Kapitän des Forschungsseglers, Jonathan Gordon, hat herausgefunden, wie man Pottwale aufspürt und ihr Verhalten untersucht, wie man sie individuell unterscheiden kann und ihr Familienleben belauscht. Beispielsweise für den Nordatlantik, die Gewässer der Azoren und Madeiras, sind Kataloge mit Fotos der Schwanzflossen von Pottwalen entstanden, die ein individuelles Markieren und Wiedererkennen möglich machen. Das alles sind Bausteine für Studien des Verhaltens, für Zählungen, für das Sozialleben und z.B. Wanderungen von Moby Dick.

Aber Forschung ohne zu töten ist auch deshalb besonders wichtig, weil Walfangnationen wie Japan, Norwegen – und neuerdings wieder Island – noch immer behaupten, man müsse Wale töten, um sie untersuchen zu können.

Schweinswale oder Kleine Tümmler sind die einzigen Wale, die regelmäßig in Nord- und Ostsee, also in unseren Heimatmeeren, vorkommen. Obwohl die Schweinswale durch nationale und internationale Gesetze geschützt sind, und obwohl sie heute bei uns kein Fischer mehr absichtlich fängt, sterben jedes Jahr 10.000 Tiere allein in der Nordsee. Sie verenden elendig im Beifang, in nicht für sie aufgestellten Netzen der Fischerei. Dabei sterben nach Hochrechnungen alljährlich erheblich mehr Schweinswale als geboren werden. Damit ist ihre Entnahme in keinem Fall „sustainable” oder tragbar.

Mit anderen Worten: Da musste – und muss – etwas passieren. Inzwischen gibt es im Rahmen von ASCOBANS den „Jastarnia Plan”, einen Rettungsplan für den Ostsee-Schweinswal, an dem auch Petra Deimer mitgearbeitet hat.

Um dem vom Aussterben bedrohten Schweinswal in der Ostsee zu helfen, hat die GSM mit Hans-Jürgen Schütte das Projekt „Wassersportler sichten Schweinswale” gestartet, das von etlichen Medien unterstützt wurde. Der Kern des Projektes besteht darin, dass Seeleute und Sportschiffer die Sichtungen von Schweinswale melden. Die Daten werden gesammelt und vom Forschungs- und Technologiezentrum Westküste in Büsum ausgewertet. Die Daten sollen beweisen helfen, dass sich Schutzmaßnahmen in der Ostsee durchaus lohnen.

Mit finanzieller Unterstützung der Kreissparkasse Hannover und des IFAW hat GSM-Mitarbeiter Florian Graner vier Jahre lang Grundlagenforschung über die kleinen schwarzweißen Tümmler mit der stumpfen Schnauze betrieben. Daraus ist inzwischen eine Doktorarbeit geworden, und es gibt gute Fotos. Wichtiges Ziel der Arbeit: Methoden erarbeiten, die den Beifang reduzieren bzw. verhindern.

Länger als andere Verbände drängte die GSM auf ein Schutzgebiet für Schweinswale, wie es sich vor Sylt/Amrum anbietet und wie es auch der „Synthesebericht Ökosystemforschung Wattenmeer” des Landesamtes für den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer empfiehlt. (Unsere ersten Bemühungen wurden von der Kinderzeitschrift „Micky Maus” unterstützt.) Obwohl sich die zuständigen Gemeinden einen solchen Schritt mit Stolz auf die Fahnen schreiben könnten, drohte die gute Sache lange im allgemeinen Politgerangel unterzugehen. Nun endlich ist das Schutzgebiet beschlossen worden und muss jetzt noch die europaweite Anerkennung als „FFH-Gebiet” bekommen (Flora Fauna Habitat). GSM-Mitglied Dr. Andreas Pfander bemüht sich um ein Schutzgebiet in der Flensburger Förde. Wir meinen, weitere Schutzgebiete sind vor Fehmarn und bei Rügen unbedingt angebracht.

Im Rahmen der notwendigen Aufklärungsarbeit haben wir ein 20-minütiges Video produziert. „Kleiner Wal in großer Not” stellt endlich den scheuen Wal detailliert vor. Bislang kannte ihn kaum jemand. Wie also sollte man für seinen Schutz werben? Das von Hans-Jürgen Schütte und Petra Deimer erstellte Video ist nach einigen Jahren mühsamen Suchens nach geeigneten Bildern entstanden. Es ist eine Liebeserklärung an den kleinen Wal und bei der GSM für € 10,00 (reiner Materialwert) zu erwerben.

Unter Federführung des „Internationalen Tierschutz-Fonds” (IFAW) bemühen wir uns auch um ein Ende der groß angelegten, kommerziellen Robbenjagd in Kanada und haben dabei auch die Unterstützung der renommierten „Zoologischen Gesellschaft Frankfurt”, die einst der Zoologe Prof. Dr. Grzimek gründete. Während es an der Front zwischen 1983 und Mitte der Neunziger einigermaßen akzeptabel aussah, weil die Abschlachtquoten für Sattelrobben und Klappmützen wegen des Importverbots von Produkten der Jungtiere in die Europäische Union zurückgingen, passiert heute in der Kinderstube auf dem Eis im Golf von St. Lorenz und vor Neufundland wieder ein unglaubliches und unwürdiges Blutbad: 1.050.000 Sattelrobben lautet die offizielle Quote der kanadischen Fischereibehörde für die Jahre 2003 bis 2005. Damit kann sich Kanada rühmen, heute wieder die größte Massentötung von Meeressäugetieren der Welt zu betreiben. Auf Dauer kann eine solche Quote nicht tragbar sein, auch nicht bei einer momentan noch nicht gefährdeten Art.

Hinter der Abschlachtkampagne steckt eine fischereipolitische Lüge: Angeblich fressen die Robben zuviel Fisch und lassen die stark dezimierten Kabeljaubestände nicht wieder hochkommen. Tatsache ist, dass nicht die Robben, sondern die Fischereipolitiker mit ihren stets viel zu hohen Fangquoten das ökologische Desaster auf dem Gewissen haben.

Weil so recht niemand etwas mit den Produkten der Robben anfangen kann, wird das große Schlachten staatlich subventioniert. In Asien wurde ein neuer Markt erschlossen, der mit traditioneller Medizin nichts zu tun hat: Die Penisse der Robben werden als Aphrodisiaka an den Mann gebracht. Dabei hätte Nägelkauen, mit Verlaub gesagt, dieselbe Wirkung.

Kein Wunder, dass die Fischerei weltweit in der Krise steckt. Ob in der Arktis oder Antarktis, in Nord- oder Ostsee, alle kommerziell genutzten Fischbestände sind überfischt. Was die Weltmeere und ihre Bewohner dringend brauchen, sind fischereifreie Zonen, damit sich die geschröpften Bestände wieder erholen können. Auch dies ist ein Thema für die GSM. Für die Meeressäugetiere hat die Fischerei inzwischen dramatische Auswirkungen. Nach Hochrechnungen werden in jedem Jahr über 600.000 Meeressäugetiere, zur Hälfte je Robben und Waltiere, im Beifang umgebracht.

Als im Jahr 1988 eine Massenepidemie mindestens 18.000 Seehunde in der Nordsee dahinraffte, hat die GSM in Zusammenarbeit mit der ‘Welt am Sonntag’ an sechs Wochenenden DM 78.000 gesammelt, um die Seehundaufzucht- und Forschungsstation Norden Norddeich zu fördern. Weil damals so viele Seehundmütter Frühgeburten erlitten und viele Seehundbabys zu Waisenkindern wurden, wurde die Spende dringend für ein Auswilderungsbecken für von Menschen aufgezogenen Seehundwelpen benötigt.

Nachdem sich die Seehunde wieder erholt hatten, tötete im Sommer 2002 eine weitere Seuche mindestens 21.000 Seehunde. Wir meinen, dass die Umweltministerien dringend das nötige Geld zur Verfügung stellen müssen, um Ursachenforschung zu betreiben. Noch heute wissen die Wissenschaftler nicht, ob die Virusepidemie durch Schmutzwasser aus Nerzfarmen ausgelöst wurde. So weit zu hören ist, fehlt es aber an den notwendigen Forschungsgeldern.

Der GSM ist es auch ein Dorn im Auge, dass manche Jäger immer wieder Seehunde aufs Korn nehmen wollen.

Obwohl es unter dem Dach der Bonner Konvention auch ein „Seehundabkommen” gibt, unterliegen diese Robben eigenartigerweise dem Jagdrecht, das sie allerdings zurzeit ganzjährig schützt. Bei einem solchen Schutz wird es hoffentlich auch bleiben.

Obwohl Haie und Störe bekanntlich zu den Fischen gehören und nicht zu den Meeressäugetieren, bemüht sich die GSM seit einigen Jahren auch um besseren Schutz dieser immer stärker gefährdeten Fische. So wurden Maßnahmen der Bundesrepublik Deutschland unterstützt, 1997 alle Störarten, die noch nicht gelistet waren, im WA aufzunehmen. Die Folge: Seit 1. April 1998 darf z.B. Kaviar nur noch mit offiziellen Aus- und Einfuhrdokumenten gehandelt werden. Damit sind die urwüchsigen Fische, von denen der „Beluga” ganze 6 m groß werden kann, zwar auf dem Papier besser geschützt, aber noch lange nicht gerettet. Damit die Gesetze auch halten können, was sie versprechen, haben wir Aufklärungsarbeit (Briefe an Händler und Mitteilungen über die Medien) betrieben – und machen dies auch weiterhin.

Auch unter den Haien gibt es einige Arten, deren Handel kontrolliert verlaufen müsste, um sie nicht in nächster Zukunft auszurotten. Sie werden nicht nur wegen der Haifischflossen und zur Knorpelgewinnung sinnlos und in rauhen Mengen abgeschlachtet, sondern zunehmend auch wegen ihres Steaks oder einfach nur aus Sport. Der Dornhai, von dessen Bauchlappen die als Räucherware beliebte „Schillerlocke” stammt, ist in der Nordsee wegen Überfischung bereits so gut wie ausgerottet. Andere Haiarten, Seekatzen und Rochen (Knorpelfische) geht es nicht viel besser. Doch eine Listung z.B. des Riesenhais versuchte die Fischerei-Lobby (wie bei bedrohten Thunfischarten auch) mit aller Macht zu verhindern. Im Jahr 2002 wurden durch CITES endlich Riesenhai und Walhai auf Anhang II gelistet.

Die großen urtümlichen Knorpelfische haben eine sehr langsame Fortpflanzungsrate und verhalten sich dabei eher wie Wale als andere Fische. Alles in allem muss man sagen, dass die Zerstörung der Meere durch Überfischung und Verschmutzung die der Regenwälder heute in nichts mehr nachsteht.

Damit sind einige Schwerpunktthemen der GSM angesprochen, zu denen noch diverse Aktivitäten hinzukommen:

* EU-Richtlinien für Delfinarien
* Richtlinien für die Haltung von Säugetieren
* Schutz von Mönchsrobben in Griechenland und Madeira

Außerdem bemühen wir uns bei CITES- und anderen Konferenzen um besseren Schutz von Tieren und Pflanzen ganz allgemein, wie z.B. Elefanten, Bären, Papageien oder Tropenhölzern.

Wir stehen täglich Rede und Antwort, wenn Schüler, Lehrer, Medien, Fachleute oder interessierte Laien Fragen stellen und helfen so gut wir können. Das alles kostet Zeit und Geld.

Zu den meisten Projekten existieren umfangreiche Zusammenfassungen, Infos zu Kampagnen der GSM und/oder der Loro Parque Fundacíon (LPF) oder Pressemitteilungen, die bei der GSM angefordert werden können. Die LPF betreibt noch eine Reihe weiterer Projekte, die hier nicht erwähnt werden. Bitte legen Sie bei Informationswünschen einen frankierten und adressierten Rückumschlag (DIN A5) bei. Und natürlich sind wir auch dankbar für eine Spende. Die GSM und die LPF sind als gemeinnützig anerkannt. Internet: www.gsm-ev.de

Quickborn, Juni 2008